Petition
Human
Flight Park
Sonderflughafen Berlin-Tempelhof
Gesponsert von:
Neue Schwingen braucht das Land!
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
Ziel dieser Petition ist es, den Flughafen Berlin-Tempelhof nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen - zu etwas ganz besonderem, den globalen Herausforderungen gemäß. Ziel ist eine Anlage, die als Schaufenster deutscher Umwelt-, Friedens- und Wirtschaftspolitik große Wirkung entfalten und internationale Beachtung finden kann sowie dem Tourismus in Berlin dient.
Dies ist für die Bundesrepublik Deutschland wichtiger, als die spekulative Verwertung der Immobilie Flughafen!
Ort und Zeit können für die Schaffung dieses der Humanität, Solidarität und Ökologie gewidmeten, in der Welt einmaligen Sonderflughafens nicht günstiger sein: Im Mai 2009 wird dem Ende der Berlin-Blockade vor sechzig Jahren gedacht. Es sind jedoch bis heute keine wirklich angemessenen Rahmenbedingungen für eine würdige Feier zu erkennen. Im Gegenteil: Durch parteipolitische Streitereien und Fehlentscheidungen wurde die Situation so verschlechtert, dass sich die Stadt Berlin, die deutsche Regierung, ja ganz Deutschland mit der herrschenden Selbstblockade heillos blamieren kann. Zum Teil ist dies bereits geschehen. Denn die Schließung des Flughafen Tempelhof ist - de facto - eine herzlose, visionslose, traditionslose und parteipolitisch orientierte Demontage! Sie stellt eine Undankbarkeit dar und wird so auch im Ausland, besonders bei den Hauptträgern der Luftbrücke, mit Fassungslosigkeit registriert. Die Bevölkerung hat sich in Volks- und Bürgerbegehren deutlich artikuliert und für den Erhalt des Flughafens ausgesprochen. Statt diesen Willen in demokratischer Weise zu respektieren, soll die Gesamtanlage bis auf einen verbleibenden Torso von Gebäude und Luftbrückendenkmal zerstört, zerstückelt, vermarktet und versiegelt und auf die Bedeutung einer Immobilie, mit der sich trefflich spekulieren lässt, reduziert werden - ganz so, als ob man sich dieser Anlage bisher schämen musste.
Dies ist nicht das einzige peinliche Beispiel dafür, wie man sich in Deutschland die Flügel selbst ausreißt und Streit und Verdruss schafft, anstatt zu versöhnen!
Nicht nur die Berlinerinnen und Berliner werden bei Wahlen alle Politiker daran messen, ob diese mit dem gebotenen Höchstmaß an Kreativität und Engagement vorgehen oder ob sie die Spekulation bewusst gewinnen lassen wollen. Bitte haben Sie Verständnis für diese deutlichen Worte der Petition. Es bleibt keine Zeit für deutungsbedürftige diplomatische Formulierungen. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass man sich in Deutschland die Flügel selbst ausreißt, dass ein Flugplatz zum Lackmus-Test für politische Glaubwürdigkeit wird oder dass deutsche Politiker kaum eine Erinnerung an bedeutende Luftfahrtpioniere und -geschehnisse haben, ja nicht einmal eine Erinnerung daran dulden. Zwei bereits gut dokumentierte Beispiele (zwei von vielen):
1.Beispiel: Als vor bald 18 Jahren das unabhängige GlideNet gegründet wurde, sollte damit dem vertriebenen und damals schon weltweit schrumpfenden Segelflugsport die Rückkehr zum Nachwuchsreservoir der Stadtjugend erleichtert werden. Einen Kilometer südlich von München, mitten in der Luft- und Raumfahrtregion, wurde nämlich der Militärflugplatz Neubiberg geschlossen. Was lag näher als das Konzept, auf einem kleinen Teil des großen Areals die Segelflieger und die Luftfahrt-Studenten der direkt angrenzenden Bundeswehr-Uni zu dulden. Es formierte sich jedoch ein Widerstand gegen das Projekt, als wollte man dort ein Kernkraftwerk bauen! Heute müssen die Luftfahrt-Studenten weit fahren, also eine Verschlechterung ihrer Studienbedingungen hinnehmen. Die Nachwuchsprobleme der Segelflieger verschärfen sich inzwischen immer weiter. Die Bundeswehr-Uni errichtete einen hohen Zaun um ihr ehemals offenes Anwesen. Ein Teil des Geländes wurde bebaut, dem Rest des Geländes wurde der ursprünglich weite Blick auf die Alpen geraubt, weil große Hügel aus jenem Aushub errichtet wurden, den man mit unzähligen Lkw-Ladungen aus den Münchner Baustellen entsorgte. Der groß angekündigte Landschaftspark schrumpfte auf die Gestaltung des Ufers eines kleinen Baches. Man verbot sogar den Modellflug. Hunde haben heute dort ihre eigenen Reviere, über ihre Vogeljagd und ihren Kot wurde monatelang gestritten. Hunde haben auf dem meist einsamen ehemaligen Flugplatz mehr Rechte, als ein Segelflieger hat. Standort Deutschland!
2. Beispiel: Im
Jahre 2002 stand der 90. Geburtstag des damals noch lebenden großen deutschen
Luftfahrtpioniers Ludwig Bölkow bevor. Ohne Ludwig Bölkow wären weder die EADS
noch die Luft- und Raumfahrtregion noch der Airbus das geworden, was sie heute
sind. Ludwig Bölkow war wesentlich an der wirtschaftlichen wie auch der
High-Tech-Entwicklung und an der Sicherung der Bundesrepublik beteiligt.
Durch sein Wirken entstanden Abertausende von High-Tech-Arbeitsplätzen. Grund genug also,
ihn noch zu Lebzeiten groß zu ehren und dem 90-jährigen eine Freude zu
bereiten. Da die Universität der Bundeswehr in Neubiberg noch keinen
Namenspatron hatte, wurde eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet,
diese Bildungseinrichtung nach ihm zu benennen. Was dann folgte, war ein
Skandal: Die absichtlichen Verzögerungen in der Behandlung dieser Petition sowie die Stellungnahme
des Verteidigungsministeriums waren unglaubliche Herabwürdigungen des
Jubilars. Statt den alten Herrn zu ehren, findet man in diesem amtsschimmeligen
Schriftstück u.a. folgende Ablehnungsbegründung: "Das
Handeln einer noch lebenden Persönlichkeit ist niemals vorauszusehen". Doch es kam
noch härter. Noch im gleichen Jahr erhielt die Bundeswehr-Uni in Hamburg einen
neuen Namen - den Namen einer heute noch lebenden Person, die mit Sicherheit von
den Vorgängen um Ludwig Bölkow erfahren hatte und eigentlich auch heute noch
genügend Einfluss genug hat, diese
Schande zu tilgen. Das Verteidigungsministerium hatte den Petenten übrigens
geraten, sich weiter zu bemühen. Dies geschah nicht, weil man so die Gesundheit
des alten Herrn
Bölkow durch weitere, sicherlich erfolglose Aktivitäten belastet hätte. Er starb am 25. Juli 2003.
Fragt man heute jemand auf der Straße, wer
Ludwig Bölkow war - kaum jemand erinnert sich noch an ihn. Nur Politiker
können diesen Schaden noch heilen. Alle haben verloren in diesem
getricksten und ignoranten Minussummen-Spiel der Politik. Tausende von ehemaligen
Geschäftsfreunden und Arbeitnehmern, die den hochangesehen Flugpionier
und beliebten Unternehmer verehrten, lasen davon in der Zeitung - so wie nun die
Bevölkerung über den Streit um den Flughafen Berlin-Tempelhof in der Zeitung liest - und im
Internet.
Die Internet-Domain www.ludwig-boelkow-uni.de
wird übrigens erhalten. Auch um einer korrekten Geschichtsschreibung zu
dienen sind dort die wichtigsten Dokumente veröffentlicht.
Wie gesagt: nur zwei Beispiele von vielen.
Für den hier
vorgeschlagenen Human Flight Park und Sonderflughafen Berlin-Tempelhof
wurde vorsorglich ebenfalls eine Domain eingerichtet:
www.human-flight-park.de
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, bitte beenden sie dieses bildungs- und kulturfeindliche Treiben um den Flughafen Berlin-Tempelhof! Bitte haben Sie auch Verständnis dafür, dass Sie diese Petition wegen der Eilbedürftigkeit zunächst per E-Mail erhalten; wegen der Bedeutung für die Öffentlichkeit wird sie im Internet veröffentlicht und Ihnen noch per Brief zugesandt. Es ist ein ähnlich schnelles und kompetentes Handeln erforderlich, wie Sie es in der internationalen Finanzkrise unter Beweis gestellt haben! Der Streit um den Flughafen Berlin-Tempelhof muss mit einem Nachfolgenutzungskonzept beendet werden, das der großartigen solidarischen und humanitären Aktion Luftbrücke, der Geschichte Deutschlands und seiner Hauptstadt, der Geschichte der Fliegerei sowie wie unser aller Zukunftsgestaltung gerecht wird. Deutschland kann hier der Welt etwas von dem zurückgeben, was es in den schwierigen Nachkriegsjahren erhalten hat.
Lernen wir aus der Vergangenheit: Weil die Zukunft prinzipiell offen ist, kann es wegen des (Selbst-)Vernichtungspotenzials unserer fragilen Zivilisation noch viel schlimmer kommen, als es in der Weltgeschichte je war. Auf unserem Planeten haben sich Metastasen der Raffgier, der Spekulation, des Fundamentalismus und des Terrorismus breitgemacht. Sie drohen die mühsamen Errungenschaften unserer Zivilisation zu zerstören. Sie kämpfen bereits dagegen. Doch die solidarischen Bemühungen der Weltgemeinschaft bedürfen dringend einer noch wirkungsvolleren Unterstützung.

Bevor eine Diskussion des Vorschlags Human
Flight Park erfolgt, sind wichtige historische
Fakten kurz und auszugsweise in Erinnerung
gebracht und mit Links sowie Zitaten und Bemerkungen versehen. Dies kann
allerdings keine vollständige
Darstellung,
sondern nur eine knappe, aber richtungsweisende Positionsbestimmung für einen
sinnvollen Weg in die Zukunft sein.
Blicken wir also zurück, damit wir wissen, wohin wir sollen. Der Flughafen
Tempelhof ist die
"Mutter aller modernen Flughäfen",
wie ihn der Architekt Sir Norman Foster
nannte. Dies ist richtig, doch in Berlin fanden Ereignisse statt, die lange vor dem Bau
dieses Flughafens lagen und die die ganze Welt veränderten. Diese Ereignisse
sind heute offenbar vergessen bzw. in ihren Bedeutungen und Auswirkungen falsch eingeschätzt:
Denn Berlin ist die Stadt, aus der das Flugzeug kam!
Im Jahre 1891 war es in dieser Stadt einem Menschen zum ersten Mal gelungen, mit einem selbstgebauten Fluggerät wiederholt in die Dritte Dimension seiner Biosphäre vorzudringen. Die Bedeutung dieses wortwörtlichen, noch kleinen, später aber die Welt verändernden Evolutionssprungs, den Otto Lilienthal unter Einsatz seines Lebens über 2000mal wagte, wurde in der bisherigen Diskussion um den Flughafen Tempelhof außer Acht gelassen. Ausgerechnet in der Geburtsstadt des Menschenfluges soll also nun das Kulturelement Fliegen an seiner weiteren Entwicklung gehindert werden. Die Förderung eines Fliegens im Sinne Lilienthals hingegen ist heute notwendiger denn je - und nicht deren Verhinderung zugunsten der Spekulation! Die fürchterlichen Brüche in der demokratischen Entwicklungsgeschichte Deutschlands hatten die ganze Welt ins Unglück gestürzt - auch weil Lilienthals eigentliches Erbe, das Fliegen in Einklang mit Natur und Mensch, nie beachtet wurde.
Eifrige Tempelhofgegner werden jetzt erwidern, dass Berlin schon ein Lilienthaldenkmal hat, auch ein Denkmal zum Thema Luftbrücke gibt es bereits. Berlin hatte schon genug Flughäfen und bekommt nun einen neuen. Außerdem bringt der ausufernde Luftverkehr gravierende ökologischen Folgen und Fluglärm mit sich. Und die Luftfahrt werde mit der Steuerfreiheit für Kerosin schon genügend gefördert. Basta!
Basta? Diese totale Ablehnung der Fliegerei ist genauso falsch wie deren bedingungslose Befürwortung. Die dual-use-Problematik jeglicher Technik war noch nie durch eine realitätsblinde Ablehnung ins Positive zu wenden. Ludwig Bölkow sagte in dem von ihm herausgegebenen Buch Ein Jahrhundert Flugzeuge:
Die Grenzen der Technik des Flugzeugbaus liegen nicht in der Technik selbst, sondern in ihrer Anwendung durch den Menschen. Der Mensch hat die Verantwortung für das, was noch getan werden darf und das, was noch getan werden muß. Er, der Mensch, muß entscheiden, wie aus dem Gesichtspunkt der Verantwortung für unsere teilweise noch heile, "von unseren Kindern geliehene" Welt, das Gesamtsystem Flugzeug in den nächsten hundert Jahren noch weiterentwickelt werden muß oder nicht. Keiner darf sich aus Lust am Gestalten und am Fliegen dieser Gesamtverantwortung entziehen.
Bevor wir versuchen, die Probleme der Zukunftsgestaltung zu bewältigen, wollen wir uns auch zu Herzen nehmen, was uns der Physiker Albert Einstein zum Thema Problemlösung hinterließ:
"Wir können Probleme nicht mit Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben."
Prüfen wir deshalb die Denkmuster Otto Lilienthals, also die Denkmuster, die ganz am Anfang des Menschenflugs standen.
In seinem 1889, also zwei Jahre vor seinem ersten Flug erschienenen Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst", finden wir ein wunderbares Gedicht. Theodor Heuss bemerkte in seinem Essay über dieses Buch und das Gedicht: "Kein Zweifel: Mit solchen Versen konnte sich dieser Dichter keinen Platz auf dem Parnaß erfliegen, nicht einmal eine Fußnote in einer deutschen Literaturgeschichte gewinnen; und doch hat die Naivität, mit der sie in dies fachliche Buch gesetzt ist, nicht etwas nur Rührendes, sondern einen großartigen Zug. Sie gehören zu dem unbefangenen, herzhaften Menschentum des Mannes, zu seiner Begeisterungsfähigkeit, die ihn, den stark beschäftigten Fabrikanten, einmal in soziale Experimente, dann in künstlerische und volkspädagogische Unternehmungen riß, die ihn aber von Bubenjahren an, mit knappen Unterbrechungen, an diese eine Aufgabe fesselte: Wie, wann werde ich fliegen können?"
Fünf Jahre später, als ihm schon zahlreiche Flüge gelungen waren, formulierte Otto Lilienthal die Auswirkungen der Entdeckung und Erforschung des Fliegens in einem Brief an den Sozialethiker Moritz v.Egidy so:
"Unser
Kulturleben krankt daran, daß es sich nur an der Erdoberfläche abspielt. Die
gegenseitige Absperrung der Länder, der Zollzwang und die Verkehrserschwerung
ist nur dadurch möglich, daß wir nicht frei wie der Vogel auch das Luftreich
beherrschen.
Der freie, unbeschränkte Flug des Menschen, für dessen Verwirklichung jetzt
zahlreiche Techniker in allen Kulturstaaten ihr Bestes einsetzen, kann hierin
Wandel schaffen und würde von tief einschneidender Wirkung auf alle unsere Zustände
sein.
Die Grenzen der Länder würden ihre Bedeutung verlieren, weil sie sich nicht
mehr absperren lassen; die Unterschiede der Sprachen würden mit der zunehmenden
Beweglichkeit der Menschen sich verwischen. Die Landesverteidigung, weil zur Unmöglichkeit
geworden, würde aufhören, die besten Kräfte der Staaten zu verschlingen, und
das zwingende Bedürfnis, die Streitigkeiten der Nationen auf andere Weise zu
schlichten als dem blutigen Kämpfen um imaginär gewordene Grenzen, würde uns
den ewigen Frieden verschaffen."
Anzumerken ist hier, dass Otto Lilienthal mehr als 20 Jahre zuvor im Deutsch-Französischen Krieg eigene Kriegserfahrungen hatte. Es ist anzunehmen, dass er selbst die erschreckende Wirkungsmächtigkeit von Luftfahrzeugen erlebte, davon hörte oder erahnte, als vor Paris von Ballonen herab auf die deutschen Belagerer geschossen wurde.
Lilienthals Leben war ausgefüllt mit Projekten. Er war kein Spinner, sondern ein erfolgreicher Erfinder-Unternehmer. Er war nicht nur Inhaber von zahlreichen Patenten, er war auch der Urvater aller Segelflieger dieser Welt. Siehe Der Flug der Vögel und des Menschen durch die Sonnenwärme
Er war künstlerisch begabt, solidarisch und sozial sehr engagiert. Also ein unglaublich vielseitiger, verantwortungsbewusster Manager, der sich aus schwierigen Verhältnissen emporgearbeitet hatte und den man all jenen vorhalten kann, die uns heute die vielen Probleme aufbürden. Das ständige Erinnern an Persönlichkeiten wie ihn ist eine Aufgabe der Politik - besonders in diesen Zeiten und besonders in der deutschen Hauptstadt.
Sieben Jahre nach Lilienthals letztem Flug schafften die Gebrüder Wright den nächsten Evolutionssprung: Den Motorflug. Die Erkenntnisse Lilienthals waren ihre Basis. Wilbur Wright schrieb hierzu 1912 im Bulletin des Aero Club of America:
... he was without question the greatest of the precursors, and the world owes to him a great debt.
Doch die Motorisierung des Flugzeugs schaffte nicht nur ein neues Verkehrsmittel, sondern auch einen wirkungsmächtigsten Waffenträger. Dem Ersten Weltkrieg folgten noch unzählige weitere Kriege. Diese schrecklichen Entwicklungen resultierten jedoch nicht aus den Denkmustern des Flugpioniers.
Lilienthals eigentliches Erbe, die Seele des Fliegens sozusagen, finden wir heute besonders im motorlosen Fliegen, dem friedlichen Segelflug. Das Segelfliegen hatte mit Lilienthal seinen Anfang genommen, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg seinen Aufwind wiedergefunden. Die in der Bevölkerung kaum bekannten Beiträge des Segelfliegens zu Wissenschaft und Forschung waren oft Pioniertaten und sind in vielen Schriften, vor allem in dem Buch Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900-1970 von Prof. Helmuth Trischler nachzulesen. Auch die Rhöngeschichte von Erich Riedel und vor allem Die meteorologische Navigation des Segelfluges von Walter Georgii zeigen, dass der Segelflugsport immer schon ein sehr aktives Versuchs- und Zukunftslabor der Luftfahrt war. Das Segelfliegen wurde aber auch - was gewiss nicht im Sinne Lilienthals war - zu vormilitärischen Ausbildung missbraucht. Wäre dies nicht geschehen, die Welt würde heute wohl anders aussehen.
In der damaligen Zeit, im Jahr 1939 erschien das Buch Terre des hommes (Wind Sand und Sterne). Darin beschrieb der fliegende Poet Antoine de Saint-Exupéry auch, wie er in dieser Zeit die Welt wahrnahm:
"Zweihundert Millionen Menschen in Europa haben
keinen Sinn in ihrem Leben und wollen geboren werden. Die Industrie hat sie der
bäuerlichen Sippe entzogen und sie in riesige Ghettos gebannt, die aussehen wie
lange Zeilen rußiger Bahnwagen auf den Geleisen eines Verschiebebahnhofes. Aus
diesen Arbeiterstädten wollen sie erweckt werden. Es gibt allzuviele, die in
das Räderwerk der Berufe geschmiedet sind, denen alle Freuden des Bahnbrechers,
des Gläubigen, des Wissenden versagt sind. Man meinte, es genüge, sie zu
bekleiden, zu nähren und sonstige Bedürfnisse zu befriedigen, um sie groß zu
machen. Man hat auf diese Weise nur den kleinen Spießer, den Kannegießer und
den Maschinenmenschen großgezogen. Man bildet sie aus, statt sie zu
unterrichten. Eine armselige Auffasssung von Kultur greift um sich, die im
Formelgedächtnis das Höchste sieht. Ein mäßiger Schüler der
Maschinenbauschule weiß mehr von der Natur und ihren Gesetzen als seinerzeit
Descartes und Pascal wußten. Ist er aber des geistigen Aufschwunges dieser Großen
fähig?
Wir fühlen alle mehr oder minder deutlich
eine Sehnsucht nach der wirklichen Geburt. Aber uns allen drohen trügerische Lösungen.
Man kann die Menschen ja auch aufwecken, indem man sie in Uniformen steckt. Dann
singen sie ihre Kampflieder und teilen ihr Brot als Kameraden miteinander. Dann
erfüllt sich ihr Suchen, und sie wähnen, das große Einheitsleben zu kosten
allgültig und allverbunden. Aber an dem Brote, das man ihnen bietet, müssen
sie sterben... Man kann Götzen von einst ausgraben und alte wirksame Mythen
beleben, die Zauberlehren des Alldeutschtums oder des Heiligen Römischen
Reiches. Man kann die Deutschen trunken machen mit dem Stolz, Volksgenossen
Beethovens zu sein. Bis zum Straßenkehrer kann man sie berauschen, und das ist
leichter, als aus einem Straßenkehrer einen Beethoven zu machen.
Aber das sind fleischfressende Götter. Wer für
die Fortschritte von Forschung und Seuchenbekämpfung stirbt, dient dem Leben.
Vielleicht war es früher auch einmal schön, für die Erweiterung eines Landes
zu sterben. Es ist heute nicht mehr damit getan, einiges Blut zu opfern, um die
Rasse im Ganzen wieder aufzufrischen. Seitdem der Krieg mit Flugzeugen und
Kampfstoffen geführt wird, ist aus dem Aderlaß eine Amputation geworden. Jeder
Gegner hockt hinter seinen Betonmauern, jeder schleudert, weil er nichts
besseres vermag, Nacht für Nacht seine Flugzeuggeschwader hinüber, die den
anderen ins Eingeweide treffen, seine lebenswichtigen Zentren mit Bomben
belegen, seine Produktionsstätten und seine Verkehrswege lähmen. Derjenige,
der als letzter zugrunde geht, ist der Sieger. Aber schließlich verkommen sie
alle beide.
In einer Welt, die öde geworden war, sehnten
wir uns nach Kameradschaft. Das wunderbare Erlebnis, mit Kameraden das Brot zu
teilen, hat uns dazu geführt, eine soldatische Weltanschauung anzunehmen. Aber
der Krieg ist dazu nicht nötig. Auch ohne ihn kann man die Empfindung von
Schultern in naher Fühlung genießen, die dem gleichen Ziele zustreben. Der
Krieg betrügt uns: denn der Haß erhöht das Hochgefühl des Kampfes nicht.
Wozu Haß? Wir sind alle Schicksalsgefährten,
vom gleichen Stern durch den Raum getragen. Wir sind die Mannschaft eines
Schiffes. Und wenn die Gegensätze der Kulturen wertvoll sind, weil sie immer
neue Mischungen erlauben, so ist es ungeheuerlich, daß sie einander vernichten.
Zu unserer Befreiung genügt es, daß man uns
dazu verhilft, ein Ziel zu erkennen, das uns mit anderen Menschen verbindet. Da
können wir ebensogut ein Ziel suchen, das uns alle vereint. Dem Arzt fällt es
bei seinem Rundgang nicht ein, die Klagen eines Kranken anzuhören; er
untersucht ihn und heilt den Menschen in ihm. Darum spricht der Arzt eine allgültige
Sprache. Dasselbe tut der Physiker, wenn er seine fast übersinnlichen
Gleichungen aufbaut, in denen er zugleich Atome und Weltnebel erfaßt. So geht
das weiter bis zum einfachen Hirten. Wer noch so bescheiden einige Schafe unter
dem nächtlichen Sternenhimmel hütet, wird merken, daß er mehr ist als ein
Diener. Wenn er sich seiner Rolle bewußt wird, kann er sich nur noch als
Schildwache fühlen. Und jede Wache ist verantwortlich für das Heil des ganzen
Reiches." Ende des Zitats.
Erschreckend vieles kommt uns in diesen Zeilen bekannt und immer noch aktuell vor. Antoine de Saint-Exupéry stürzte 1944 bei einem Aufklärungsflug ins Mittelmeer. Alles deutet darauf hin, dass er von einem deutschen Piloten abgeschossen wurde.
Unzählige Probleme, mit denen wir heute zu kämpfen haben, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit. Sie werden oft und kontrovers diskutiert. "Wir können Probleme nicht mit Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben" so sagte, wie schon erwähnt, der Physiker Einstein. Ein anderer Physiker, nämlich Fritjof Capra, stellte in seinem 1986 erschienenen Buch Wendezeit fest, dass alle Krisen dieser Welt "nur verschiedene Facetten ein und derselben Krise sind und dass es sich dabei im wesentlichen um eine Krise der Wahrnehmung handelt". Im Jahre 1990 veröffentlichte die Zeitschrift Natur Fritjof Capra´s Netz der Weltprobleme, das inzwischen auch in Schulbüchern zu finden ist.

Stellen wir unsere Denkmuster und unsere Wahrnehmung auf den Prüfstand, studieren wir diese Darstellung Fritjof Capra´s! Fragen wir uns, wo das Flugzeug Probleme mit verursachte und wo es Probleme löst bzw. noch lösen könnte, wenn, ja wenn noch mehr Anstrengungen hierzu unternommen würden - in der Wirtschaft und besonders in der Politik, auch international. Wissenschaftler und Techniker strengen sich schon längst an.
Und welche eigenen Anstrengungen unternimmt da Berlin, die Stadt aus der das Flugzeug kam? Die vielen Leiden dieser Welt und dieser Stadt entstanden ja unter anderem auch deshalb, weil das Flugzeug nicht gebraucht, sondern missbraucht wurde. Natürlich gibt es keine "Produkthaftung", die Berlin als Geburtsstadt des Flugzeugs juristisch dazu verpflichten könnte, für die Luftfahrtentwicklungen in Vergangenheit und Zukunft Verantwortung zu übernehmen. Aber das Schicksal dieser Stadt, besonders die Tatsache, dass sie nach dem tödlichen Missbrauch des Fliegens vom lebenserhaltenden Gebrauch, nämlich von der humanitären Aktion Luftbrücke gerettet wurde, erinnert uns an die Pflicht, den Flughafen Berlin-Tempelhof nicht nur zu erhalten, sondern ihn - erfüllt mit Dankbarkeit auszubauen - zu etwas ganz besonderem!
Wie gesagt: Ort und Zeit hierfür könnten besser nicht sein. Die schmerzhaften Folgen der eingangs erwähnten internationalen Krise sind auch eine große Chance und zwingen uns zur Rückbesinnung auf das, was nicht nur in der Finanzwirtschaft vernachlässigt wurde und was die Aktion Luftbrücke auszeichnete: Humanität und Solidarität.
Humanität und Solidarität bedürfen international der ständigen Erinnerung und Pflege, sie brauchen hierzu eindeutige Vorbilder, glaubwürdige Symbole und Aktionen. Diese müssen sich in der Konkurrenz der globalen Medienwelt durchsetzen. Sie müssen erhalten bleiben und dürfen nicht usurpiert werden.
Die Schließung des Flughafens Berlin-Tempelhof bewirkt genau das Gegenteil! Am Tag der Schließung zeigte das Fernsehen Menschen, die deshalb weinend am Flugplatzzaun standen. Es waren Tränen der Trauer und der Wut über eine ignorante Politik, die in der Bevölkerung Unmut und Unfrieden stiftete.
Wäre es nicht schön, wenn die Menschen Freudentränen weinen würden über eine gelungene Gestaltung eines der Humanität und Solidarität gewidmeten Sonderflughafens Berlin-Tempelhof, der ein Regierungsflughafen ist ?
Es gibt genügend andere Grundstücke in Berlin, die zu einer herkömmlichen Verwertung und Gestaltung taugen. Es muss nicht unbedingt und (im wahrsten Sinne des Wortes) ausgerechnet der Flughafen Berlin-Tempelhof sein! Der Human Flight Park und der Sonderflughafen Berlin-Tempelhof sind keine Konkurrenz zum ausgebauten Flughafen Berlin-Schönefeld, sondern sie werden eine weltweit beachtete Attraktion sein, mit der Deutschland einen großen Beitrag zur Gestaltung der Weltluftfahrt leistet. Auch die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA sollte damit kooperieren und werben, denn sie kann weder zeitlich noch inhaltlich das bieten, was ein Human Flight Park als Dauerausstellung bieten kann.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, bitte holen Sie auch die Urform des Fliegens, den Segelflug, zurück in das Herz der deutschen Hauptstadt. Die Passagiere der Linienflugzeuge können sich nur selten ein Luftbild von der deutschen Hauptstadt machen. Hier haben sie die Möglichkeit, die Stadt im lautlosen und abgasfreiem Segelflugzeug (gestartet mit einer ebenfalls sehr leisen und abgasfreien Elektrowinde) aus der Luft zu bewundern. Auch ein Zeppelin NT sollte stationiert werden. Dieser könnte ebenfalls zu kurzen Rundflügen starten. Geben wir auch der Berliner Jugend die Möglichkeit, an der Schaffung des Human Flight Parks mitzuwirken und dort die anspruchsvolle High-Tech-Sportart Segelfliegen zu erlernen.
Bitte unterstützen Sie auch die Idee des Weltkulturerbes. Machen Sie Berlin-Tempelhof zu einem Regierungsflugplatz, der dem Geburtsland des Menschenfluges gemäß ist und den Sie Ihren Besuchern als ein Symbol deutscher Politik präsentieren können.

Und bitte machen Sie, zusammen mit den UN, den 23. Mai zum Human Flight Day. An diesem denkwürdigen Tag wird nicht nur deutsche Bundespräsident wiedergewählt. Am 23. Mai 1848 wurde Otto Lilienthal in Anklam geboren. Das Datum von Lilienthals erstem Flug ist nicht bekannt. So wäre es wunderbar, wenn der Human Flight Day und der Human Flight Park noch vor dem Geburtstag Lilienthals beschlossen würde und Sie dies gemeinsam mit den Regierungschefs der ehemals Alliierten am 60. Jahrestag des Endes der Berlin-Blockade feiern könnten.
Vorschläge und Ideen zu potenziellen Inhalten, zu Aktionen, zu Veranstaltungen und zu den Beteiligten sowie zur Eigentumsfrage und Organisationsform folgen, sobald über diese Petition ein grundsätzlich positiver Beschluss gefasst wurde.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei all Ihren Entscheidungen und verbleibe mit einem Wort von Erich Kästner:
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Mit freundlichen Grüßen
sigi.stoehr@glidenet-global.com
Webmaster des GlideNet
München, den 13. November 2008